Seelenkommunikation mit Tieren

Etwas mehr als zwei Jahre wohne ich jetzt in meinem neuen Heim. Ein alter Bauernhof inmitten der Aachener Soers, einem Stück Natur belassener Landschaft nur fünf Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Rundherum Kühe auf frischen Weiden, Wanderwege entlang der Maisfelder und Hofläden, an denen es Biogemüse zu kaufen gibt.

Meine Katze und ich lebten uns hier schnell gut ein und genossen den ursprünglich gehaltenen Garten sehr. Ich liebte auch die beiden Hofhunde, die zwar im Zwinger gehalten werden, womit ich zunächst Probleme hatte, aber es ging ihnen so gut hier, dass ich meine Bedenken recht bald verlor.

Das einzige, was mich etwas störte, war, dass die beiden sehr oft bellten. Was ja in Ordnung war, wenn abends oder nachts Fremde auf den Hof kamen, aber die beiden bellten auch, wenn eine Kühe auf der Weide an ihnen vorüber ging oder wenn sie Langeweile hatten. Aber ich gewöhnte mich dran und – es waren nicht meine Hunde ...

Vor einigen Monaten musste dann der Besitzer für längere Zeit wegen einer Operation ins Krankenhaus und anschließend in die Reha. Nur zu gern sagte ich zu, die Pflege der beiden Hunde zu übernehmen, die mir zwischenzeitlich sehr ans Herz gewachsen sind. Morgens und abends gingen wir unsere Runden auf dem Hof und den angrenzenden Wiesen. Am Nachmittag beobachtete ich die beiden, wie sie auf ihrer Lieblingswiese die Mäusegänge ausbuddelten. Und wir gewöhnten uns sehr aneinander. Ich hatte sogar den Eindruck, dass die beiden ein klein wenig ruhiger wurden.

Als das Herrchen dann endlich aus der Reha wieder kam, war ich sogar ein wenig traurig. „Och,“ sagte Josef, das Herrchen dann, „du kannst die beiden doch immer rausnehmen, wenn du willst!“ Und so ging ich, wann immer ich Lust und Zeit hatte, mit den Hunden an unsere Lieblingsplätze. Und wir alle freuten uns.

Manchmal, während ich auf meinem Lieblingsbaumstumpf saß und den Abendhimmel beobachtete, redete ich innerlich mit den beiden Hunden. Mein innerstes Selbst fragte, was sie brauchten, wonach sie sich sehnten – und was ich vielleicht tun könnte. Das ist nichts ungewöhnliches, das mache ich eigentlich schon seit meiner Kindheit. Ich rede auch mit Pflanzen und mit anderen Menschen auf dieser nonverbalen Seelenebene, die leider noch nicht allen Menschen so zugänglich ist.

Von Benji, dem kleinen vierjährigen Wildfang nahm ich wahr, dass er oft nicht ausgelastet ist. Auf Seelenebene hörte ich, dass er manchmal deshalb nicht hört, weil er gern noch länger über die Wiesen tollen würde, um seine Kräfte zu erproben. Er wollte noch etwas entdecken, den kleinen Strolch rauslassen und seine Nase in den seichten Sommerwind halten.

Ich wusste allerdings nicht, wie ich das bewerkstelligen sollte. Meine beste Freundin sagte mir oft, dass mir ein Hund fehlt, mit dem ich regelmäßig nach draußen komme. Und es stimmte. Ich hatte viele Jahre einen Hund gehabt und die Bewegung hätte mir sicher gut getan.

Als ich den Hundehalter bei nächster Gelegenheit fragte, war dieser sogar begeistert von der Idee, dass ich Benji auf die Spaziergänge mitnehmen wollte. Es gab nur ein Problem: Bislang hatte der kleine Frechdachs alle Leinen durchgebissen und sich massivst zur Wehr gesetzt, weil er partout nicht mit Leine gehen wollte. Kein Wunder, war er doch jahrelang das freie Herumtollen auf der Wiese ohne Halsband gewohnt.

Das erste Mal ging nur mit leichtem Zwang und zwei festen Händen, die ihn hielten, um das Halsband über den Kopf zu streifen. Und während ich zur Wiese wollte, kämpfte Benji sich in die andere Richtung – in den Zwinger! Alle vier Beine stemmten sich in den Boden und wäre er eine Katze, hätte man sicher sagen können, dass er ob der ungewohnten Leine einen Katzenbuckel machte.

Irgendwie schaffte ich es dennoch, ihn dazu zu bewegen, einen kleinen Weg mit mir zu gehen. Auf nicht einmal 800 Metern lief er mir mindestens 12 Mal zwischen die Beine, trat mir 5 Mal auf die Füße und blieb mehrfach abrupt stehen, so dass auch ich fast stolperte. Als er auf dem Rückweg die vertraute Auffahrt wieder sah, gab er dann so viel Gas, dass er mich die Steigung hoch fast zog.

Aber ich wollte nicht mehr locker lassen. Am nächsten Morgen nahm ich die beiden Hunde mit auf unsere vertraute Wiese und redete auf meinem Baumstamm sitzend mit dem kleinen Mischlingshund. Ich nahm wahr, dass er zwar einerseits neugierig war und in seiner vertrauten Umgebung auch ein kleiner Draufgänger, aber das sein eigentliches Wesen eher ängstlicher Natur war.

Nachmittags machte ich mich wieder fertig, um mit ihm eine Runde zu gehen. Die Leine ließ sich schon ein wenig besser anlegen, die ABS-Beine stemmten sich nur noch wenig in die Erde. Immer wieder lobte ich den kleinen Hund, streichelte ihn und sprach ihm Mut und Lob zu. Wir trafen auf dieser Runde nicht auf andere, aber das war auch gut so, denn langsam lockerte er sich ein wenig, fing hier und da mal an zu schnüffeln und hinterließ auch gelegentlich mal seine Duftmarke. Dennoch war er sichtlich froh, als wir seinen Heimathafen wieder ansteuerten. Als er sein Herrchen an der Wiese stehen sah, gab er Gas, und freute sich offensichtlich, das dieser große Ausflug ins Umland glücklich geschafft war.

Das gleiche machte ich am Morgen darauf. Wieder sprach ich ihm morgens auf Seelenebene Mut zu und schnappte mir Benji am späten Nachmittag für unsere erste richtig große Runde.

Ohne Widerrede ließ er sich das Halsband anlegen und der Widerstand zu gehen war nur noch sehr gering. Nach wenigen Metern lief er freier als die ersten Male, blieb stehen, wenn ich stehen blieb und beim Kommando „komm“ setzte er sich wieder in Bewegung. Nur bei sehr ungewohnten Geräuschen kam er meinen Knien verdächtig nahe ...

Wir begegneten Joggern, die er freundlich passieren ließ, obwohl er sonst wohl eher in die Achillesferse gebissen hätte. Auch Radfahrer, die er gern von der Seite ansprang, konnten passieren. Und schreiende Kinder konnten ihm kaum was anhaben. Er drückte sich an mich, obwohl er sonst auf sie losgegangen wäre.

Wir machten eine sehr große Runde und entdeckten einen kleinen Bachlauf, begrüßten Esel und Pferde auf den Wiesen und entdeckten einen wundervollen Schlosspark, in dem es herrlich nach frisch gemähtem Gras duftete.

Auf dem Nachhauseweg trafen wir eine junge Frau mit Kind erneut. Wir waren ihnen schon zuvor am Bach begegnet. Es entspann sich ein kurzes Gespräch, in dem ich ihr sagte, sie möge noch ein wenig vorsichtig sein, gerade mit dem Kind, weil ich noch nicht wisse, wie der Hund reagiert. Benji aber schnupperte nur und blieb ansonsten ganz ruhig und gelassen sitzen und beobachte die Umgebung.

„Haben sie nicht den Pferdeflüsterer gesehen?“ fragte mich die junge Frau. „Ich hab’ da ganz grandiose Dinge gehört, das Reden mit den Tierseelen funktioniert tatsächlich. Es gibt sogar Tierkommunikatoren – besuchen Sie doch mal einen! Das hilft tatsächlich!“

Ich lächelte, sah Benji ganz brav neben mir sitzen, obwohl das Kind zu schreien anfing, und sagte: „Ja, ich weiß. Ich bin eine davon!“
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