Liebe und Tod

Ich fuhr vor einigen Jahren das erste Mal für 3 Wochen mit meiner Freundin in Urlaub nach Sri Lanka. Es fiel mir schwer, denn ich musste meine Mischlingshündin Charly bei fast fremden Menschen lassen, denn ich fand niemanden, der sie sonst genommen hätte. Und die Kleine war 13 Jahre lasng tagtäglich von morgens bis abends immer auf Schritt und Tritt bei mir gewesen.

Während des Urlaubs beschlich mich schon ein merkwürdiges Gefühl. Und während wir in Sri Lanka in der Sonne badeten, zeigten Fernsehbilder in den Restaurant abends Bilder aus dem verschneiten Aachen, das im Schnee versank.

Wir versuchten mehrfach die Leute zu erreichen, die Charly in Obhut hatten, erreichten sie aber nicht. Und wir machten uns sorgen. Aber es war so ein Tohuwabohu, daß wir unsere Sorgen verdrängten, denn man brach in unser Hotelzimmer ein und stahl Pässe, Reisetickets und unser letztes Geld. Wir hatten vor Ort andere Sorgen ...

Als wir dann endlich wieder zuhause gelandet waren, holte ich unmittelbar meinen Hund wieder ab. Als ich rein kam, hatte ich erwartet einen quicklebendigen Hund vorzufinden, so wie ich sie abgegeben hatte. Aber sie kam nicht auf mich zu.

Irritiert fragte ich die junge Dame, wo mein Hund sei. Diese druckste herum: "Ihr geht's nicht so gut ...."

Lange Rede, kurzer Sinn: Charly hatte sich offenbar erkältet und die junge Frau war auch mit ihr zum Tierarzt gegangen und hatte ein paar Tabletten bekommen. Leider wollte der Hund nicht essen und hat die ins Mauls gelegten Tabletten wieder ausgespuckt. Die vermeintliche Erkältung mit Fieber blieb unbehandelt und wurde 10 Tage lang von Tag zu Tag schlimmer.

Als ich in das Zimmer kam, war mein Hund zu schwach um aufzusehen. An aufstehen war gar nicht zu denken. Es trieb mir die Tränen in die Augen. Wortlos schnappte ich mir meinen Hund und fuhr schnurstracks zum Tierarzt mit ihr, der sie eingehend untersuchte und dann nur noch den Kopf schüttelte: "Ich fürchte, ich kann nichts mehr für sie tun."

Ich bestand allerdings darauf, das wir es noch einmal versuchen. Sie bekam mehrere Spritzen und einige Tabletten und ich nahm die kleine Hundedame mit nach Hause, legte sie vorsichtig zu mir ins Bett und mich daneben.

Zwei Tage und zwei Nächte flößte ich ihr Medikamente, Wasser und etwas AUfbauendes ein, lag neben ihr und hörte ihr röcheln. Streichelte ihren Kopf, weinte und nahm Abschied, bis ich nicht mehr konnte und mit ihr zum Tierarzt ging, um sie einschläfern zu lassen.

Der Arzt ging nicht gerade liebevoll mit ihr um, machte einfach seinen Job. Gott sei Dank war meine beste Freundin dabei und fuhr mich, denn dieTränen hätten möglicherweise eine Badewanne überlaufen lassen ...

Wieder Zuhause war ich so durcheinander, daß auch mehrere Baldriantabletten meine Emotionen nicht runterschrauben konnten. Damals war ich aber sehr in Atemtechniken involviert, die mir schon mehr als einmal geholfen hatten, mein emotionales Gleichgewicht wieder zu finden.

So legte ich mich in eine warme Badewanne, versuchte zu entspannen und atme tief und verbunden, um ein wenig mehr Entspannung zu finden. Mehrfach ließ ich heißes Wasser nachlaufen, denn die Emotionen schüttelten mich lange und anhaltend.

Irgendwann nach sehr sehr langer Zeit fing mein Kopf an, die sich drehenden Gedanken ein wenig zu mildern. Das Gefühl des "Im-Hamsterrad-steckens" ließ ein wenig nach und ich hatte Bilder aus dem Kosmos vor meinem inneren AUge.

Plötzlich sah ich Sai Baba, dem ich damals sehr angetan war, in diesem Kosmos fliegen und hörte innerlich die Worte: "Alles ist gut. Dein Hund ist bei mir gut aufgehoben."

Dann hatte Baba plötzlich meine Charly auf dem Arm und machte mitten im Nirgendwo des Kosmos ungeheuer schnelle Kapriolen im Weltall. Er spielte und lachte und drehte seine Runden wie auf einer unsichtbaren, kosmischen Achterbahn.

Das machte mich in meiner Trauer unglaublich wütend. Und ich erschrak zu tiefst vor mir selbst, denn ich hörte mich selbst in der Badewanne schreien und weinen. Nur die Kapriolen im Universum, die drehte Baba mit meinem Hund noch immer. Hunderte bunte Sterne kreisten auf seiner Bahn durchs All mit ihm mit  ...

Aber all das entspannte mich plötzlich. Aus heiterem Himmel überfiel mich der Gedanke, daß wir alle eingebunden sind in dieses Lebensspiel und alles so wie es geschieht in Ordnung ist. Alles geschieht aus dem ES oder Gott oder wie immer man es auch nennen mag, heraus. Es gibt keine Trennung, denn alles ist die Welt so wie sie gerade ist. Der Körper meines Hundes war nicht mehr da, aber die Liebe bleibt für immer.

Auch heute, während ich dieses schreibe, laufen mir in Erinnerung die Tränen, obwohl es schon 12 Jahre her ist. Auch heute macht es mich traurig, Menschen, Tiere und DInge gehen zu lassen. Aber es macht mich auch glücklich, daß sie da gewesen sind und mir das wichtigste gaben, was man einander geben kann: Liebe und Zuwendung.

Alles ist gut. Alles ist.
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