Goldene Löffel

Auszug aus dem Newsletter von Hermann Scherer. Mit freundlicher Genehmigung.
www.hermannscherer.com

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Perspektivenwechsel:
Goldene Löffel

In Dubai oder Abu Dhabi geboren zu werden, ist wie ein Lottogewinn. Als Einwohner der Vereinigten Arabischen Emirate kennt man keine Sorgen. Die Bildungsaussichten am Golf sind exzellent, die internationalen Schulen sind perfekt ausgestattet und bieten höchstes Niveau. Sie kosten nichts und sind für jeden zugänglich.

Mit 18 Jahren bekommt jeder Bürger vom Scheich ein Stück Land geschenkt und einen Kredit bewilligt, um sich ein Haus zu bauen. Und die ausländischen Arbeitskräfte, die bereit sind, höchste Mieten zu bezahlen, stehen Schlange, um einziehen zu dürfen. Wer sich nicht völlig bescheuert anstellt, ist im Handumdrehen Dollar-Millionär. Harte Arbeit muss niemand verrichten, dazu sind die Ausländer im Land. Strom und Wasser sind umsonst, auch das komplette, exzellente Gesundheitswesen ist ein Geschenk des Scheichs an seine Untertanen.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist in den VAE eines der höchsten der Welt. Die Öl- und Gasvorkommen bieten noch auf Jahrzehnte hinaus Reichtum und Überfluss für alle. Per Gesetz muss jedes Unternehmen zu mindestens 51 Prozent einem Einheimischen gehören, so dass auf jeden Fall gesichert ist, dass das Geld im Land bleibt und sich weiter anhäuft.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen fahren Porsche, Ferrari und Maserati. Sie gehen shoppen und spielen mit ihren Falken in der Wüste. Sie vertreiben sich die Zeit auf ihren Yachten und reisen auf der Welt herum oder gehen ins Fußballstadion. Sie haben die Mittel und die Möglichkeiten, um auf der ganzen Welt Projekte zu initiieren, Unternehmen zu gründen, Träume zu realisieren.

Aber sie tun es nicht.

Viele der jungen Araber langweilen sich stattdessen zu Tode. In den Schulen hängen sie rum. Sie sind es nicht gewohnt zu lernen und zu arbeiten. Wozu auch? Sie stopfen sich mit süßem Zeug voll und verprassen die Millionen. Beinahe nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Diabetiker wie in den Emiraten.

Mittlerweile vergeben die Firmen dort die Jobs nicht mehr so gerne an die jungen Araber, sondern lieber an die ca. 4 Millionen Arbeitsimmigranten. Denn die sind wesentlich fleißiger, zuverlässiger, belastbarer – und billiger als die Einheimischen. Die Arbeitslosenrate in den Emiraten liegt unter den knapp eine Million Einheimischen bereits deutlich im zweistelligen Bereich, Tendenz steigend.

Fett, faul, krank, arbeitslos und ohne Perspektiven? Wenn das das Resultat ist: Warum streben wir alle eigentlich so sehr nach materiellem Wohlstand?

Ich bin davon überzeugt, dass Geld tatsächlich Freiheit bringen kann - aber Freiheit bringt immer Verantwortung mit sich, denn Freiheit und Verantwortung sind ein untrennbares Begriffspaar. Dort, wo die Verantwortung fehlt, fehlt oft die Freiheit und dort, wo die Freiheit fehlt, oft die Verantwortung.
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