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Donnerstag, 28. Juni 2012

Hermann Scherers Newsletter vom 28. Juni 2012

EDITORIAL

Als kurz nach Weihnachten 2004 der Meeresboden vor Sumatra bebte, kamen rund um den Indischen Ozean etwa 230.000 Menschen ums Leben. Über 100.000 Menschen wurden verletzt. 1,7 Millionen Menschen wurden obdachlos. Millionen Menschen weltweit waren schockiert, bestürzt, traurig, verzweifelt.

Das ist auch völlig verständlich. Aber ich schreibe jetzt einmal etwas politisch völlig Inkorrektes und es sollte auch nur ein Gedankenspiel darstellen: Der Tsunami war, was er war. Ein Naturereignis. Er war an sich weder schlimm, noch böse, noch katastrophal. Zu einer Katastrophe wurde er erst durch unsere Bewertung. Und die ist immer relativ.

Weltweit sterben über 5 Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen des Rauchens. Das sind über zwanzig Mal mehr als beim Tsunami von 2004. Jedes Jahr!

Seit Weihnachten 2004 sind also über 150 Mal mehr Menschen durch Tabakkonsum umgekommen als durch den Tsunami. Und jetzt: Haben Sie in den letzten sieben Jahren auch nur ein einziges Mal Schock, Bestürzung oder Trauer gefühlt über diese Millionen von toten Rauchern?

An der Relativität unserer Bewertung können wir ablesen, dass unsere Gefühle genau genommen nichts mit den Opfern zu tun haben. Natürlich, im Gegensatz zu den Rauchern erleben wir die Opfer des Tsunamis als unschuldig. Wobei: Sind die Tabakopfer wirklich selbst schuld oder ist nicht auch das nur eine Zuschreibung?

Dass wir den Tsunami als Katastrophe beschreiben, ist unsere Bewertung. Und zwar eine typisch westliche. Geprägt von unserem Wertesystem geben die meisten von uns dem Leben einen höheren Wert als dem Tod. Was wäre aber, wenn wir an die Wiedergeburt glaubten und daran, dass die 230.000 Tsunami-Toten nun in einer höheren Kaste wiedergeboren würden? Dann wäre das eventuell keine tragische, sondern eine schöne Nachricht. Nein, eine sensationelle sogar!

Wenn wir den Tod höher bewerten würden als das Leben? Dann würden wir bei jeder Geburt sagen: Au, armer Kerl. Schade dass er auf die Welt gekommen ist. Saublöd. Naja, jetzt ist es halt so, gell? Wir wünschen ihm baldmöglichst mal eine Naturkatastrophe...

Worte, die ich Sie bitte richtig zu verstehen und zu interpretieren.

„There is nothing either good or bad, but thinking makes it so.“ – Shakespeares Hamlet sagte es deutlich: Nichts ist weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu.

Letztendlich ist jedes Ereignis, egal welche Gefühle es hervorruft, überhaupt nicht schlimm oder schlecht oder gut oder böse. Es ist neutral. Es ist. Punkt. Wir Menschen sind diejenigen, die es mit Bewertungen verknüpfen – und dann allen Ernstes glauben, dieses Bild, das wir uns von der Realität gezimmert haben, sei die Realität.

Ob das die Realität ist oder nur unsere Realität wäre auch nicht so wichtig, wenn sie uns manchmal nicht so im Weg stünde. Ob wir einen anstrengenden Kunden, der ständig anruft und jedes Mal eine ganze Pandora-Kiste an Fragen durch den Hörer schleust, als nervigen Ohrabkauer oder als interessierte Person sehen, dessen Bindung ans Unternehmen man sogar wirtschaftlich nutzen kann – das hängt letztlich nicht vom Kunden ab, sondern einzig und allein von uns.

Ob ein Lehrer das Kind, das mit der Aufgabe schon fertig ist und im Unterricht wild herumzappelt, als Unruhestifter, den es zu bestrafen gilt, oder als hochintelligent und förderungswürdig einschätzt – das hängt von ihm ab. Nicht vom Kind.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Mir ist völlig klar, dass wir Werte- und Bewertungssysteme brauchen. Mehr noch: Wir brauchen in menschlichen Gemeinschaften nicht nur irgendwelche, sondern gemeinsame Wertesysteme. Wir müssen uns darüber einig sein, dass Mord ein Kapitalverbrechen ist, dass Nazis böse sind und dass Kannibalismus widerlich ist - zumindest je nach Kulturkreis, denn Kannibalismus ist auch heute noch in kleinen Teilen beliebt.

Sobald wir uns über zentrale Werte nicht mehr einig sind, beginnen wir uns zu bekämpfen und zu bekriegen. Und zwar am Ende buchstäblich bis aufs Blut. Gemeinsame Bewertungen sind unverzichtbar. Aber dafür gilt: So viel wie nötig und so wenig wie möglich, bitte. Oftmals nämlich greifen kollektive Bewertungsmuster viel zu tief in unser Leben ein.

Es wäre eine riesengroße Befreiung für uns alle, wenn wir aufhören würden, das Verhalten von Menschen in unserer Umgebung permanent zu bewerten. Wenn wir verstehen, dass alles, was wir gut oder schlecht finden, nur dem Aroma unserer persönlichen Geschmacksmischung von Vorannahmen entspringt, dann können wir nach und nach auf bestimmt 80 Prozent unserer Annahmen verzichten. Weil sie schlichtweg nicht wahr sind.

Ihr Hermann Scherer
www.hermannscherer.com

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