Spirit Story: Menschliche Verfehlungen

Moin moin!
Fotolia © Mary Camomile

Vor einigen Tagen musste ich mit mehreren Bekannten eines Bekannten ins rund 85 km entfernte Mönchengladbach fahren, um dort in einem Gerichtsprozess auszusagen. Wir entschieden uns, alle gemeinsam in zwei Autos zu fahren und anschließend dann gemeinsam dort Mittag zu essen.

Leider zogen sich die Verhandlungen hin, jede Befragung dauerte weit über eine halbe Stunde und es wurde viel später als zunächst angenommen. Mike, von Beruf Pfleger in einem Altenheim, wurde sehr nervös. Er wollte abends noch auf die Weihnachtsfeier seiner Firma, musste zuvor noch duschen und sich zurecht machen, einkaufen gehen und seiner Freundin etwas vorbeibringen. Es war abzusehen, dass er das alles nicht oder nicht opünktlich schaffen würde. Sein Stresspegel stieg stetig an.

MIke war der Fahrer des Autos, in dem wir fuhren. Der Eigentümer des Autos, ein älterer Mann, fühlte sich nciht ganz wohl und wollte nicht fahren, um uns nicht zu gefährden.

Mike versuchte mehrfach seine Freundin und Kollegen zu erreichen, wartete auf Rückrufe und wurde von Minute zu Minute nervöser. Selbst im Auto hörte er nicht auf zu telefonieren.

Abgesehen davon, dass es verboten ist beim Fahren zu telefonieren, fuhr er schon mit einem Auto, in dem er eigentlich keinen Versicherungsschutz hatte und brachte uns alle mehrfach in brenzlige Siutationen. Einmal fuhr nur über die Bordsteinkante, aber ein anderes Mal kam er einem abbiegenden Lkw verdächtig nahe.

Der EIgentümer des Autos sagte nichts, starrte nur geradeaus auf die Straße, meine Sitznachbarin hinten hielt sich schon die Hand vor die Augen und murmelte auf polnisch etwas vor sich hin. Möglicherweise ein kleines Stoßgebet.

Als er mit einer Hand telefonierend um einen stark befahrenen Kreisverkehr fuhr, darauf bedacht, ja nicht das Handy aus der Hand zu verlieren, bat ich ihn, doch mal tief Luft zu holen und sich zu beruhigen. "Das regelt sich schon, Mike. Hektik bringt dich auch nicht weiter."

"Ach, halt du doch deine blöde Klappe da hinten", raunzte er mich an. "Und sei ruhig, ich kann nicht telefonieren."

"Das finde ich unverschämt, Mike", meinte ich noch einigermaßen ruhig. "Fahr bitte die zwei Minuten an den Straßenrand, halt an und regel das. Die Zeit haben wir auch noch. Dann kommen wir wenigstens alle lebend nach Haus. Mir ist mein Leben noch wichtig."

Ein Fahrzeug, das er übersehen hatte, schnitt ihm gerade den Weg ab und er musste etwas hantieren. Dann brüllte er: "Mir ist dein scheiß Leben gerade völlig egal. Ich will bloß rechtzeitig zur Weihnachtsfeier."

Manchmal frage ich mich, wie egoistisch die Menschheit ist und wie wenig wir manchmal auf unsere Mitmenschen achten. Ich glaube, wir haben noch viel zu tun.

Alle menschlichen Verfehlungen
sind das Ergebnis eines Mangels an Liebe...

Alfred Adler

Ich wünsche euch allen einen wunderbaren 2. Advent!

(c) Gudrun Anders
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