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Freitag, 10. Januar 2014

Der Klang des Waldes - eine Kurzgeschichte aus dem Buch "Legenden am Lagerfeuer"


Der Klang des Waldes
Fotolia © gleison


Im dritten Jahrhundert nach Christus schickte König Tao seinen Sohn Tai zum großen Meister Panto, um dort in die Lehre zu gehen.

Der Prinz sollte Nachfolger auf dem Thron werden, daher sollte Panto den Jungen Tai alles lehren, damit er später ein guter Herrscher werde.

Unmittelbar nachdem der Prinz angekommen war, schickte ihn der Meister allein in den nahegelegenen Wald. Der Prinz sollte mindestens einen Monat bleiben und dann zurückkommen und dem Meister den Klang des Waldes beschreiben.

Nach Rückkehr erzählte Tai: „Meister, ich habe gehört wie unterschiedlich die Bäume rauschen und die Vögel singen. Ich habe Grillen zirpen und Bienen summen gehört. Ich weiß jetzt, wie der Kuckuck ruft und auch den Wind habe ich flüstern hören.“

Da schickte der Meister den Prinzen erneut in den Wald. Er sollte noch intensiver lauschen.

Als der Prinz einen Monat später zurück kehrte, erzählte er: „Meister, als ich noch genauer lauschte, konnte ich etwas hören, was ich noch nie gehörte habe. Ich hörte den Klang sich öffnender Blüten und lauschte den Tönen der Sonne, die mich wärmte.“'

Diesmal nickte der Meister anerkennend. „Jemand, der das Unhörbare hört, ist mit guten Fähigkeiten, die keinem guten Herrscher fehlen sollten, ausgestattet. Deine Lehre bei mir ist beendet.“   



(c) Gudrun Anders, aus dem Buch "Legenden am Lagerfeuer (erscheint 02/2014)

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